«Gesundheit ist ein Wunder»

01.10.2026 Gesundheit

Für SOS-Kinderdorf Schweiz-Botschafterin Maria Walliser ist Gesundheit weit mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Im Interview spricht die ehemalige Spitzensportlerin über Prävention, mentale Ausgeglichenheit, ihre persönlichen Erfahrungen als Mutter und darüber, warum ein gesunder Start ins Leben für jedes Kind entscheidend ist.

Gesundheit ist ein sehr breites Thema: Was bedeutet „gesund sein“ ganz persönlich für dich?

Für mich persönlich muss ich gestehen, dass ich mir mit dem Älterwerden immer häufiger Gedanken mache, was mir Gesundheit bedeutet und wie sich Gesundheit bei mir anfühlt. Eine Grippe, Halsweh, Ohrenweh gehören für mich nicht in die Kategorie Gesundheit. Das gehört einfach zu meinem bewegten Leben. Ich setze mich gerne der Natur aus und bin auch bei garstigem Wetter draussen oder schwimme gerne in kühlem Wasser. So passiert es halt, dass mal eine Erkältung kommt.

Jedoch erfahre ich von mir nahestehenden Menschen, dass sie an Krebs erkrankt sind, einen Schlaganfall hatten oder Herzprobleme haben. Dann sind meine Gedanken ganz anders geprägt. So frage ich mich dann, ob all die Präventionsmassnahmen, welche ich für mich aussuche, genügen, um gesund älter zu werden. Nahrungsergänzung, Bewegung und Ausgleich für Körper und Geist sind da für mich wichtige Bausteine. Deshalb bedeutet für mich Gesundheit auch, Vorsorge zu treffen und eine positive Einstellung zum Leben zu haben. Diese Lebensweise ist mir möglich, weil ich in Sicherheit, Freiheit und intakter Natur leben darf. Dankbarkeit dafür sollte jeden Tag aufs Neue im Fokus stehen, mit dem Wissen, dass die Mehrheit der Weltbevölkerung dieses Privileg nicht hat.

Gab es in deinem Leben einen Moment oder eine Erfahrung, die dein Interesse für Gesundheitsfragen besonders geprägt hat?

Mit 17 Jahren hiess meine berufliche Ausrichtung Spitzensport. Damit fest verbunden ist auch das Thema Gesundheit. Im Leistungssport geht ohne Gesundheit gar nichts. Deshalb habe ich mich schon als Teenager mit Prävention und Fragen zu Balance in Körper und Geist auseinandergesetzt. Mit dem Resultat, dass ich Yoga für mich entdeckt und nebst hartem Training auch Atemtechniken ausprobiert habe, für besseren Schlaf oder Erholung. 
 

Warum ist es dir wichtig, dich auch nach deiner aktiven Sportkarriere gesellschaftlich zu engagieren?

Ein Engagement in diese Richtung war für mich essenziell, um etwas zurückzugeben für diese wunderschöne Zeit als Athletin. Ich bin ohne grosse Verletzung davongekommen. Und als dann die Familie Thema wurde, kamen auch soziale Werte dazu, denn unsere erste Tochter kam mit einer Spina Bifida zu uns. Dieses Mädchen hat uns jeden Tag aufs Neue gezeigt, wie wertvoll ein gesunder und intakter Körper ist. Nämlich ein Wunder. Aus dieser familiären Situation heraus war es für mich ein Muss, mich bei Stiftungen für Kindergesundheit einzubringen.

Wie wichtig sind aus deiner Sicht mentale Gesundheit und emotionale Stabilität, gerade auch im Vergleich zur körperlichen Fitness? 

Auf einer Waage sollten diese beiden Aspekte sich ausgleichen. Die Realität sieht jedoch oft anders aus. Durch extreme sportliche Aktivitäten kann man über längere Zeit die emotionalen und mentalen Schwächen übergehen. Auch verstecken hinter Problemen, welche im Alltag nicht lösbar sind. Oder umgekehrt: Die Kraft fehlt, um sich aufzuraffen und rauszugehen, sich zu bewegen. Solche Tage kenne ich auch und musste lernen, nicht zu streng mit mir zu sein. Chillen und Me-Time gehören genauso zum Gesundsein, wie Power und Drang nach Aktivität. Deshalb der Vergleich mit der Waage.

Inwiefern ist Gesundheit, körperlich wie psychisch, eine zentrale Voraussetzung für eine gute Kindheit? 

Die ersten 1000 Tage im Leben eines Babys sind enorm wichtig. Liebe darf nicht fehlen. Doch Kindergesundheit fängt schon vor der Geburt an. Wie leben meine Eltern? Alkohol, Nikotin, Erbkrankheiten, Hygiene, Ernährung, Psyche, Umwelt und noch viel mehr.

Welche Verantwortung trägt unsere Gesellschaft deiner Meinung nach, um Kindern einen gesunden Start ins Leben zu ermöglichen?

Es ist ein zentraler Unterschied, auf welchem Kontinent, in welchem familiären Umfeld und in welcher Armut Kinder aufwachsen. Je nach Gesundheitssystem kann die Gesellschaft mehr oder weniger Verantwortung tragen. Auch wirtschaftliche Faktoren ermöglichen einen besseren Start ins Leben eines Kindes. Es macht mich traurig, welche Ungerechtigkeiten in diesem Zusammenhang auf der Welt vorherrschen.

Gibt es Begegnungen oder Geschichten aus deiner Arbeit mit SOS-Kinderdorf Schweiz, die dich besonders berührt haben?

Die Begegnungen mit den Familien, den Müttern in den Dörfern, waren sehr berührend. Ich kenne die Arbeit von SOS-Kinderdorf Schweiz vor allem in den Programmländern in Afrika. Was mich besonders beeindruckt, sind die Familienstärkungsprogramme. Einblick zu bekommen, wie diese Programme helfen, hat mich sehr berührt.

Du setzt dich auch für die Stiftung Folsäure Schweiz ein. Was hat dich zu diesem Engagement motiviert? 

Seit 25 Jahren klären wir die Bevölkerung über die Wichtigkeit des Vitamins Folsäure, auch B9 genannt, auf. Frauen und Paare mit Kinderwunsch sollten frühzeitig mit der Folsäure-Prophylaxe anfangen. Unsere Botschaft: weniger Geburtsfehler dank Folsäure.

Viele Menschen unterschätzen Prävention. Warum ist Folsäure aus deiner Sicht ein so wichtiges Thema für die Gesundheit? 

Dieses empfindliche Vitamin ist zuständig für die Zellteilung! Und Zellen teilen sich nun mal x-tausendmal pro Tag. Deshalb Folsäure bis ins hohe Alter.

Wo siehst du noch Informationslücken in der Gesundheitsvorsorge – gerade in der Schweiz? 

Unser Land ist gut aufgestellt im Gesundheitswesen. Doch wie im Zusammenhang mit der Folsäure-Prophylaxe sollten wir vermehrt auf Prävention und psychische Gesundheit achten.

Gibt es ein einfaches Gesundheitsritual, das du nicht mehr missen möchtest?

Da gibt es so einige und diese sind je nach Tagesform und Jahreszeit unterschiedlich. Auf jeden Fall übe ich mich in Achtsamkeit und schenke mir gerne Zeit für mich.

Welche Botschaft zum Thema Gesundheit würdest du Kindern, Eltern und jungen Menschen gerne mitgeben? 

Das ist ein grosses Fragezeichen und kann nicht verallgemeinert werden. Für mich hat Gesundheit viel mit Bewegung, Ausgeglichenheit und Vertrauen in meine eigenen Fähigkeiten zu tun. Wo auch immer im Leben man grad steht, sind die Bedürfnisse und Möglichkeiten für einen gesunden Lebensstil unterschiedlich. Ganz allgemein sollte psychische Ausgeglichenheit der beste Ansatz für Gesundheit sein. 
 

 

Inhaltsverantwortlich:

David Becker

Content Manager

Teilen

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren

Äthiopien

Spendenorganisation: Wie SOS-Kinderdorf Schweiz arbeitet

Äthiopien

Hunger weicht Hoffnung

Nepal

Mehr als nur ein Mittagessen

Niger

Halimas Neuanfang

Andere

Wie stärken wir Ernährungssicherheit?

Äthiopien

Schwangerschaft in ungleichen Welten