Halimas Neuanfang

15.04.2026 Gesundheit

Die 46-jährige Halima lebt mit ihrer Familie in Kantché. Lange bestimmten Hunger und Unsicherheit ihr Leben. Durch unser Familienstärkungsprogramm konnten sie und ihr Mann ihre landwirtschaftliche Tätigkeit modernisieren, ein eigenes Einkommen aufbauen und ihren Kindern den Zugang zu Bildung sichern. Die Unterstützung ist ein Wendepunkt für die ganze Familie.

Halima ist Bäuerin, Ehefrau und Mutter von sieben Kindern. Sie lebt in einem kleinen Dorf in der Region Kantché, einer Gegend, in der viele Familien von kleinbäuerlicher Landwirtschaft abhängig sind. Über Jahre hinweg war ihr Alltag von Entbehrungen geprägt. Die Erträge aus der Landwirtschaft reichten kaum aus, um die Familie zu ernähren. Oft deckte die eigene Produktion den Bedarf für nicht mehr als zwei Monate im Jahr. Danach fehlte es an allem. Daran litten vor allem ihre Kinder. Die prekäre Situation führte schliesslich zu einer folgenschweren Entscheidung. Halima und ihr Mann versuchten, mit einigen ihrer Kinder ins Ausland zu fliehen, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Doch die Flucht scheiterte. An der Grenze wurden sie aufgegriffen und zurückgeschickt. Später verbrachte Halima über ein Jahr in Algerien, getrennt von Teilen ihrer Familie. «In dieser Zeit war mein Alltag von Angst geprägt. Ich wusste nicht, wie es weitergehen sollte. Um zu überleben, musste ich sogar das Land verpfänden, das ich von meinem Vater geerbt hatte.»

Nach ihrer Rückkehr begann Halima, Erdnussöl herzustellen und im Dorf zu verkaufen. Es war ein erster Schritt, um ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften, doch die Mittel blieben begrenzt. «Das Leben von mir und meiner Familie erfuhr erst eine entscheidende Wende, als wir in das Programm von SOS aufgenommen wurden. Ich erhielt Zugang zu Schulungen, landwirtschaftliche Materialien, finanzielle Unterstützung und wurde von den Mitarbeitenden eng begleitet.» Ein zentrales Element des Programms ist die Förderung von Spar- und Leihgruppen. Gemeinsam mit anderen Frauen lernte Halima, regelmässig zu sparen, Kredite aufzunehmen und wirtschaftlich zu planen. Parallel dazu nahm sie an Kursen zu moderner und agrarökologischer Landwirtschaft teil. Durch neue Anbaumethoden, verbessertes Saatgut und den Einsatz von Betriebsmitteln konnte sie ihre Erträge deutlich steigern. Innerhalb von zwei Jahren vervielfachte sich ihre Getreideproduktion.

Dieses Projekt hilft, folgendes UN-Nachhaltigkeitsziel zu erreichen:

SDG 3: Gesundheit und Wohlergehen

 

Zusätzlich weitete Halima ihre Einkommensquellen aus. Neben der Landwirtschaft verstärkte sie den Handel mit Erdnussöl sowie weiteren Produkten und erschloss neue Märkte. «Mittlerweile kommen sogar Kundinnen und Kunden aus den umliegenden Städten zu mir», berichtet Halima stolz. Die Familie verfügt nun über stabile Einnahmen und ausreichende Nahrungsmittelvorräte für mehrere Monate. Die Not und der Hunger aus der Vergangenheit kommt ihr mittlerweile sehr weit weg vor. Während der Ernte überblickt Halima stolz die Felder und ist ganz in ihrem Element. Die Wende im Leben der Familie zeigt sich besonders bei den Kindern. Während Schulbildung früher kaum Priorität hatte, besuchen heute alle Kinder im Schulalter regelmässig den Unterricht. Die Familie kann Schulmaterialien, Kleidung und medizinische Versorgung sicherstellen.
 

Während seine Geschwister an den Hausaufgaben sitzen, freut sich der sechsjährige Bilani über einige der Erdnüsse aus der letzten Ernte, seinen Lieblingssnack. Für ihn beginnt die Schule erst im kommenden Jahr, und er kann den Start kaum erwarten. Die neunjährigen Zwillingsschwestern Haoua und Mariam mögen das neue System an der Schule nicht so: «Früher gingen wir morgens und nachmittags in die Schule. Nun sind wir dort von 8 bis 14 Uhr.» Dafür freuen sie sich umso mehr, die Schule mit ihren Freundinnen und Freunden besuchen zu können. Und sie wissen bereits genau, wofür sie jeden Tag lernen. Haoua möchte Ärztin werden, während Mariam einmal in die Fussstapfen ihrer Lehrerin treten möchte. Die Eltern blicken wieder zuversichtlich in die Zukunft ihrer Kinder. Halimas Geschichte steht stellvertretend für viele Familien in der Region. Sie zeigt, wie gezielte Unterstützung, Wissenstransfer und langfristige Begleitung Familien befähigen können, ihre Lebensbedingungen nachhaltig zu verbessern. Dank des Familienstärkungsprogramms von SOS-Kinderdorf Schweiz hat Halimas Familie ein stabiles Fundament aufgebaut und neue Hoffnung für die nächste Generation gewonnen.

So sichern wir die Ernährung von Familien in Kantché langfristig:

  • Böden wieder fruchtbar machen. Traditionelle «Zaï-Löcher» werden in den Boden gegraben und locker mit organischem Material gefüllt. Nach der Regenzeit können Nutzpflanzen oder Bäume in die Löcher gepflanzt werden. 
  • Bäume und Viehweiden pflanzen. Bäume halten das Erdreich zusammen und speichern Wasser, das sie danach wieder an die Atmosphäre abgeben. Durch ihren Schatten kühlen sie den Boden. Deshalb lernen Jugendliche und Erwachsene, Baumschulen anzulegen und Bäume zu pflegen. Zudem werden
    Böden nach der Ernte mit organischem Material bedeckt oder Weideflächen angesät, damit die Erde nicht austrocknet. Das Vieh, das auf diesen Flächen weidet, liefert wertvollen Dünger für die nächste Aussaat.
  • Umweltfreundlicher Pflanzenschutz. In Workshops lernen Bäuerinnen und Bauern, aus lokalen Pflanzen wie zum Beispiel Neem oder Pfeffer eigene biologische Pflanzenschutzmittel herzustellen, die den Boden weniger belasten.
  • Frauen verwalten Getreide und Futterspeicher. Um Getreide und Viehfutter sicher lagern zu können, werden Speicher eingerichtet und von Frauengruppen verwaltet. Dadurch können die Familien später Getreide und Futter zu bezahlbaren Preisen kaufen. Die beteiligten Frauengruppen erwirtschaften ein Zusatzeinkommen, das den Kindern zugutekommt.

Ihre Spende ermöglicht die Unterstützung unserer Arbeit in Kantché und vieler anderer Projekte, die Kindern und ihren Familien zugutekommen.

95 %

Um diesen Anteil ist die Anzahl der Menschen, die ihr Zuhause in Kantché aus der Not heraus verlassen möchten, von 2020 bis heute zurückgegangen.

Inhaltsverantwortlich:

David Becker

Content Manager

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