Wunsch nach Wandel

05.08.2026 Einkommensförderung

Zwischen Feldern und Wäldern im Süden Nepals wagen viele Familien endlich wieder, zu träumen und sich eine Zukunft auszumalen. In Menharwa kämpfen Bina und ihr Ehemann Ramnarayan seit Jahren ums Überleben. Dank der Unterstützung von SOS-Kinderdorf Schweiz gewinnen sie Schritt für Schritt einen Alltag zurück, der von Nähe, vorsichtiger Zuversicht und neuen Fähigkeiten geprägt ist.

Der Morgen beginnt früh in Menharwa, einem kleinen Dorf in der Gemeinde Lahan. Noch liegt Nebel über den Feldern, als Bina Wasser holt und das Feuer für das Frühstück entfacht. Ihre drei Kinder sitzen dicht beieinander, die Schultaschen bereit. «Ich möchte, dass meine Kinder eine Ausbildung erhalten und ihre Intelligenz nutzen», sagt die 30-Jährige leise, während sie ihnen die Haare richtet. «Ich möchte, dass sie angesehene Berufe ergreifen.» 

Menharwa liegt im Süden Nepals, nahe der indischen Grenze. Viele Familien hier gehören zur Musahar-Gemeinschaft, einer der am stärksten marginalisierten Gruppen des Landes. Armut, fehlende Dokumente zum Nachweis der Identität und Arbeitsmigration prägen den Alltag. Auch Ramnarayan, 37 und Binas Ehemann, kennt diese Umstände nur zu gut. «Mein Leben war sehr schwierig», sagt er. «Wegen der finanziellen Not meiner Familie konnte ich nur bis zur sechsten Klasse zur Schule gehen.» Früh musste er Verantwortung übernehmen, arbeitete in Kathmandu und später in Indien, fern von seiner Familie.

Dieses Projekt hilft, folgendes UN-Nachhaltigkeitsziel zu erreichen:

SDG 10: Weniger Ungleichheiten

 

Heute ist Ramnarayan wieder zu Hause. Hinter dem Haus entsteht langsam ein Ziegenstall aus Holz und Blech. Er baut ihn selbst, Schritt für Schritt. «Ich möchte nicht mehr nach Indien gehen», sagt er entschlossen. «Ich will meinen Lebensunterhalt durch die Ziegenhaltung verdienen.» Für ihn bedeutet das mehr als blosses Einkommen. Es bedeutet Zeit mit der Familie und eine Zukunft, die planbarer ist als die unsichere Tagelohnarbeit. Mit Unterstützung von SOS-Kinderdorf Schweiz erhielt die Familie nicht nur Hilfe für den Aufbau der Ziegenhaltung, sondern auch etwas scheinbar Selbstverständliches: Geburtsurkunden. «Meine Kinder hatten keine Geburtsurkunden», erzählt Ramnarayan. «Mit Unterstützung von SOS konnte ich diese beschaffen und meine Kinder in der Schule anmelden.» 

 

Heute besuchen Shiv (9), Shivani (7) und Krithika (6) den Unterricht in der nächstgelegenen Schule. Oft laufen sie gemeinsam los, manchmal fährt eine Rikscha sie ein Stück. In der Schule erhalten sie auch ein warmes Mittagessen. Für Shiv ist der Schulweg ein Weg voller Träume. «Ich möchte Arzt werden, weil ich kranken und bedürftigen Menschen helfen will» , sagt er mit ernster Stimme. Wenn er von der Schule erzählt, strahlt er, besonders wenn es um den Englischunterricht geht. Auch für Bina hat sich der Alltag verändert. Sie arbeitet weiterhin als Lohnarbeiterin und kümmert sich um Haushalt und die Tiere, doch sie spürt den Wandel. Abends hütet sie die Ziegen in der Nähe des Hauses, damit sie ihre Kinder im Blick behalten kann. «Wenn meine Kinder lernen, wird es für sie kein Problem sein», sagt Ramnarayan. «Sie müssen dann keine Tagelohnarbeit machen wie ich.»

Es sind kleine Schritte in Menharwa, aber sie verändern alles. Ein Ziegenstall, Schulbücher und offizielle Dokumente, die Rechte und Selbstvertrauen verleihen. Und eine Familie, die beginnt, wieder an die Zukunft zu denken. «Wenn man hart arbeitet, kann man damit ein gutes Einkommen erzielen», sagt Ramnarayan. Dann schaut er zu seinen Kindern und lächelt. Was sich im Alltag der Familie verändert hat, ist Teil eines grösseren Wandels. SOS-Kinderdorf Schweiz unterstützt in Menharwa und der umliegenden Region einzelne Familien durch den Zugang zu Bildung, rechtlichen Dokumenten und nachhaltigen Einkommensmöglichkeiten. So entsteht Schritt für Schritt Stabilität für Kinder, Eltern und Dörfer, und wir stärken ganze Gemeinden langfristig.

Ihre Spende ermöglicht die Unterstützung unserer Arbeit in Nepal und vieler anderer Projekte, die Kindern und ihren Familien zugutekommen.

 

Deepak Kumar ist Bezirkspräsident in Karjanha und seit 2023 im Amt. Er lobt SOS-Kinderdorf Schweiz für die Einführung eines Projekts, das sich positiv auf die Bildung, die Entwicklung der Kinder und die Lebensgrundlagen in seinem Bezirk ausgewirkt hat. Wurde dieses anfangs noch mit Skepsis betrachtet, gewann die Gemeinde aufgrund der beständigen Unterstützung allmählich Vertrauen in SOS. «Dies ist das erste Mal, dass ich eine Organisation gesehen habe, die ein so nachhaltiges und langfristiges Projekt in unsere Region bringt. Das Programm läuft reibungslos, und ich unterstütze es voll und ganz.»

Ein Mann sitzt an einem Bürotisch

Inhaltsverantwortlich:

David Becker

Content Manager

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