Eine SOS-Kinderdorf-Patin im Portrait

«Wir bekommen so viel zurück, wenn wir geben.»

Die 75-Jährige Lotti Schriber spendet seit 45 Jahren für SOS-Kinderdorf. Sie findet es wichtig, dass Waisenkinder in einer familiennahen Situation aufwachsen können. Denn: «Die Familie ist die Zelle der Gesellschaft.»

Lotti Schriber spendet seit 45 Jahren für SOS-Kinderdorf.

«Mir geht es so gut im Leben, ich habe eine wundervolle Familie mit zwei Töchtern, Gross- und Urgrosskindern und lebe in einem schönen Haus mit grossem Garten. Da sehe ich es schon fast als Pflicht an, Menschen zu helfen, mit denen es das Leben nicht so gut gemeint hat», sagt Lotti Schriber aus Rüti bei Zürich. Und helfen tut die rüstige Rentnerin: Seit 45 Jahren ist sie eine treue Spenderin für SOS-Kinderdorf, vor allem für Kinderdörfer in Afrika.


Lange, bevor sie das erste Mal nach Afrika reiste, war sie vom schwarzen Kontinent fasziniert. «Afrika ist für mich ein Herzensland», sagt die 75-Jährige, die sich immer für die afrikanische Politik und die dortigen Entwicklungen interessiert hat und früh für ein SOS-Kinderdorf in Kenia spendete. Als sie später mit ihrem Mann in das Land reiste, fand sie ihre Vorstellungen bestätigt und kehrte mehrmals zurück – nach Kenia und auch in andere afrikanische Länder wie zum Beispiel Namibia.

Die Familie als Zelle

Von SOS-Kinderdorf hörte Lotti Schriber erstmals, als sie ein Interview mit Hermann Gmeiner las. «Die Idee von SOS-Kinderdorf hat mich vom ersten Augenblick an begeistert», sagt sie. «Ich finde es enorm wichtig, dass Kinder in einer familiennahen Situation aufwachsen können und nicht einfach in einem riesengrossen Waisenhaus enden. Schliesslich ist die Familie die Zelle, aus der alles wächst.» Beeindruckt war sie auch von Hermann Gmeiner selber. Es sei offensichtlich gewesen, dass er voll hinter seinem Konzept stehe und alles tue, damit es Waisenkindern besser gehe. «Er war eine durch und durch integre Person.»

Die Rentnerin hat sich oft gefragt, wieso nicht schon viel früher jemand auf die Idee mit den Kinderdörfern gekommen ist und wieso die Idee nicht kopiert wird. Denn für die Frau, die Ende der Fünfzigerjahre als unverheiratete Mutter ein Kind grosszog, sind die SOS-Kinderdörfer nicht nur für die Waisenkinder ein Segen, die dort aufwachsen können, sondern auch für die SOS-Kinderdorf-Mütter: «Frauen, die vielleicht gern eigene Kinder gehabt hätten, haben die Gelegenheit, Kinder grosszuziehen und eine Familie zu bilden und zugleich einen erfüllenden Beruf auszuüben.»

Geben – und zurückerhalten

Lotti Schriber hat ihr ganzes Leben lang für verschiedene Hilfsorganisationen gespendet. Vielleicht sei sie von ihrer Mutter geprägt worden, die immer etwas Geld für die Leprahilfe auf die Seite gelegt habe, auch als es ihr finanziell nicht so gut ging, sinniert sie. «Spenden kommt einem ja auch selbst zugute», sagt die aufgeweckte Frau. «Wir bekommen so viel zurück, wenn wir geben.»