Weltweite Alphabetisierung von Kindern stagniert

SOS-Kinderdorf fordert zum Weltalphabetisierungstag mehr Bildungsmöglichkeiten – vor allem für Mädchen

08/09/2017 - Die internationale Gemeinschaft kommt beim Kampf gegen Analphabetismus zu langsam voran. "Das gemeinsame Ziel, bis 2030 sicherzustellen, dass alle Jugendlichen und die meisten Erwachsenen lesen, schreiben und rechnen lernen, wird nicht erreicht werden", sagt Erika Dittli, Leiterin internationale Programme von SOS-Kinderdorf Schweiz, anlässlich des Welttags der Alphabetisierung am 8. September.
Zwei Drittel aller Analphabeten weltweit sind Frauen. Foto: Remo Nägeli

Zwar sei beispielsweise die Zahl der Kinder, die nicht einmal in die Grundschule gehen, zwischen 2000 und 2007 von rund 100 Millionen auf etwa 60 Millionen deutlich gesunken. Doch seither stagniere diese Entwicklung, teilt SOS-Kinderdorf mit. Grund seien unter anderem auch die vielen Krisen weltweit: Rund ein Drittel der Kinder ohne Grundschule lebe in Kriegs- und Krisenregionen. "Nur die Hälfte aller Flüchtlingskinder erhalten Grundschulunterricht", erklärt Dittli. Um das Überleben der Familie zu gewährleisten, gingen viele Kinder und Jugendliche arbeiten. "Da bleibt die Bildung auf der Strecke." Insgesamt könnten weltweit 250 Millionen Kinder weltweit nicht lesen und schreiben. "In einigen Entwicklungsländern ist das jedes vierte Kind", sagt Dittli.

Bildung ist Entwicklungshilfe

Mehr als 160 Länder haben sich im Jahr 2016 in den UN-Nachhaltigkeitszielen verpflichtet, den Analphabetismus bis 2030 weitgehend abzuschaffen. "An diesem Ziel gemessen, sind die Zahlen alarmierend", sagt Dittli. Die Staatengemeinschaft müsse sich weltweit verstärkt für Bildung von Kindern einsetzen. "Denn jedes Kind, das heute nicht zur Schule geht, wird später in Armut leben". Bildung sei zugleich Entwicklungshilfe. Die betroffenen Länder – neun der zehn Länder mit der geringsten Alphabetisierungsrate liegen in Afrika südlich der Sahara – fordert SOS-Kinderdorf auf, die Bildungsbudgets deutlich zu erhöhen. In Niger könne nicht einmal jeder fünfte Einwohner ab 15 lesen und schreiben.
 

Frauen lernen lesen und schreiben im SOS-Familienstärkungsprogramm in Äthiopien. 

Mädchen und Frauen im Nachteil

Vor allem Mädchen und Frauen sind benachteiligt: Rund zwei Drittel aller Analphabeten weltweit sind weiblich. "An dieser Zahl hat sich seit 1990 fast nichts geändert, da besteht dringender Förderbedarf", sagt Dittli.
SOS-Kinderdorf unterstützt weltweit hunderttausende Kinder und Erwachsene, Bildung zu erlangen. Dabei setzen wir uns besonders für Bildung von Mädchen und Frauen ein.