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14.04.2021 Aktuelles Alle SOS-Kinderdorf Schweiz Schweiz «Gleichberechtigter Zugang zu Medizin ist ein Privileg»

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Maria Walliser setzt sich seit Jahrzehnten für den Zugang werdender Mütter zu besserer medizinischer Versorgung ein. Uns erzählt die ehemalige Skiweltmeisterin und SOS-Botschafterin, wieso ihr dieses Thema am Herzen liegt.

Wieso ist dir gleichberechtigter Zugang zu Medizin so wichtig?

Während meiner Jugend hier in der Schweiz, war das für mich nie ein Thema. Als ich anfing zu reisen und Länder besuchte, in denen der Zugang zu medizinischer Betreuung und Medikamenten eingeschränkt ist, wurde mir dieses Privileg erst richtig bewusst. Als Mutter eines Kindes mit einer Spina bifida (offener Rücken) war ich unendlich dankbar, dass wir unser Mädchen in den besten Händen von Fachärzten wussten. Der Weg zu gleichberechtigtem Zugang zu Medizin für jedes Kind auf dieser Welt ist noch weit. Doch durfte ich bei meinen Besuchen bei SOS-Kinderdorf Familien sehen, wie viele Möglichkeiten es doch gibt, um dieses Ungleichgewicht zu reduzieren.

Du hast bereits diverse Projekte von SOS-Kinderdorf vor Ort besucht, unter anderem in Lesotho, Äthiopien, Kenia, Tansania und Indien. Wie hast du dort die medizinische Versorgung erlebt?

Wir waren in Arztpraxen und medizinischen Zentren, in abgelegenen Dörfern bei Müttern mit Aids. Ich durfte mithelfen, Medikamente und gesunde Lebensmittel zu verteilen. Ich habe miterlebt, wie Mütter über Verhütung aufgeklärt werden, Kinder eine Impfung bekamen und dass im Kindergarten, in der Primarschule und in den Familienhäusern im Kinderdorf selbst sehr auf Hygiene geachtet wird. Wo Hilfswerke wie SOS-Kinderdorf vor Ort sind, ist die medizinische Versorgung sicherlich sehr gut.

Als Botschafterin von SOS-Kinderdorf unterstütze ich auch ein ganz spezielles Dorf im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh. In Indien werden Kinder, die mit einer Behinderung zur Welt kommen, oft versteckt oder zusammen mit den Müttern verstossen. Diese Babys und ihre Mütter finden Zuflucht im SOS-Kinderdorf in Khajuri Kalan. Dort erhalten sie therapeutische Hilfe und die Mütter erlernen die spezielle Pflege, die ihre Kinder brauchen. Dieses Projekt beeindruckt mich sehr und ich wünschte mir, dass alle Kinder mit einer Beeinträchtigung eine Chance im Leben bekommen. Integration darf kein Fremdwort sein.

Was sind die grössten Unterschiede zur Schweiz?

Die grosse Armut. Familien in den Slums können sich medizinische Behandlungen nicht leisten. Einen Platz im Spital zu bekommen ist sehr schwierig. Deshalb ist Gesundheitsvorsorge so wichtig. Seit Corona auch die medizinisch hochentwickelte Schweiz plagt, merken wir, dass Händewaschen, Desinfizieren und Abstandhalten vielen Virenerkrankungen vorbeugen kann. In den Familien-stärkungsprogrammen von SOS-Kinderdorf wird darauf Wert gelegt.

Hast du aus deiner Erfahrung mit deiner Tochter Siri Tipps für Familien mit einem beeinträchtigten Kind?

Das ist sehr persönlich. Von allen Seiten kommen Ratschläge auf einen zu und da war es mir wichtig, immer auf mein eigenes Herz zu hören. Was tut meinem Kind gut, was stimmt für uns als Familie? Es kann passieren, dass ein ärztlicher Rat sich einfach nicht richtig anfühlt. So vertrauten wir immer auch auf zweite Meinungen und nutzen auch Naturheilpraktik oder Pflanzenmedizin.

Gibt es auch in der Schweiz noch Verbesserungspotenzial in Bezug auf die medizinische Versorgung von Frauen und Müttern?

Auf jeden Fall: Stichwort Lebensvitamin Folsäure (B9). Seit 20 Jahren bin ich als Botschafterin und Präsidentin der Stiftung Folsäure Schweiz bestrebt, dass die Schweizer Bevölkerung genügend Folsäure zu sich nimmt. Bei Kinderwunsch benötigen Frauen und Männer die doppelte Tagesdosis, um das werdende Kind vor offenem Rücken, Kiefer-Gaumenspalten oder Herzfehlbildungen zu schützen. Aber auch im Alter ist Folsäure ein wichtiger Begleiter: Sie schützt vor Schlaganfall, Demenz, Hautalterung und Depressionen und fördert die Hirnleistung. In 90 Ländern weltweit mischt man Folsäure unter das Grundnahrungsmittel Mehl. Eine Studie in den USA zeigt, dass dadurch die Fälle von Spina bifida um 47 Prozent reduziert wurden. In der Schweiz ist es bisher nicht gelungen, eine staatlich verordnete Folsäureanreicherung im Mehl zu erwirken. Ich würde mir wünschen, dass es wieder mal einen Vorstoss auf politischer Ebene gäbe. Bis dahin bleiben wir aktiv als Stiftung Folsäure, um die Bekanntheit des Vitamins zu steigern.

Inhaltsverantwortliche:

Nathalie Rutz

Ich setze mich als Verantwortliche Kommunikation für die Rechte der Kinder aus aller Welt ein.

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