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Die gesellschaftlich verankerte Sohnpräferenz führt in Ländern wie Indien, China und Pakistan zu einem Frauenmangel. Mehr als 90 Millionen Frauen fehlen. Das hat verheerende Folgen.

Immer wieder beklagen Kollegen von SOS-Kinderdorf in Indien die hohe Zahl an ausgesetzten Mädchen. Häufig werden sie unter dem Vorwand, Verwandten einen Besuch abzustatten, von den Eltern alleine in den Zug gesetzt. Die Reise führt ins Nirgendwo. Die Kinder haben Glück, wenn sie von den Behörden an Mitarbeitende von SOS-Kinderdorf übergeben werden. Andernfalls ist ihre Zukunft ungewiss. Die Chance, die Eltern der Kinder wiederzufinden, ist gering. Mädchen werden in Kulturen wie in Indien noch heute oft als finanzielle Belastung angesehen. Die hohe Mitgift, die bei einer Hochzeit der Familie des Bräutigams geschuldet wird, hält viele Eltern davon ab, den Mädchen die gleiche Fürsorge zu geben wie ihren Brüdern. Das zeigt sich etwa darin, dass bei Kindern unter fünf Jahren die Sterblichkeitsrate von Mädchen doppelt so hoch ist wie die der Jungen. Viele Eltern sparen an Ernährung oder verweigern Arztbesuche. In die Ausbildung ihrer Töchter investieren sie nur selten.

 

Die Tötung weiblicher Neugeborener als Lösung für das Mitgiftproblem ist insbesondere in den ärmsten Gegenden Indiens immer noch akzeptiert.

 

Fast die Hälfte der indischen Frauen kann weder lesen noch schreiben. Die berufliche Zukunft vieler Frauen beschränkt sich deshalb auf den Haushalt. Von den Eltern missachtet und vernachlässigt, besteht kaum eine Hoffnung auf ein selbstbestimmtes Leben – auch im Teenageralter nicht: Aufgrund des Kastensystems sind arrangierte Ehen noch immer Teil der Kultur. Unter dieser Bevormundung leiden Frauen wie auch Männer. Psychische Traumatas werden von gesellschaftlichen Defiziten begleitet. Demografischen Berechnungen zufolge fehlen weltweit mehr als 90 Millionen Frauen. Besonders in Indien und China geniessen Söhne einen höheren sozialen Stellenwert. Da die Töchter später in eine andere Familie einheiraten, können nur Männer die Familienlinie weiterführen. Die Altersvorsorge der Eltern hängt damit vom Wohl des Sohnes ab. Die systematische Abtreibung weiblicher Föten und die Vernachlässigung der Töchter spielen besonders dem Menschenhandel in die Hände. Das Geschäft mit Frauen nimmt stetig zu.

 

Interessierten empfehlen wir die Dokumentation «Bloss keine Tochter – Asiens Frauenmangel und die Folgen»