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03.06.2022 Aktuelles Alle Afrika Lesotho: Jugendlichen Chancen schaffen

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In Lesotho kämpfen junge Erwachsene mit mangelnden Aussichten auf dem Arbeitsmarkt. Ein Ausbildungsprojekt von SOS-Kinderdorf in Quthing sorgt seit zwei Jahren für Abhilfe.

Quthing liegt in einer ländlich geprägten, wirtschaftlich schwachen Region. Wie überall in Lesotho schliessen die meisten Jugendlichen zwar die Primarschule ab, die kostenpflichtige Sekundarstufe besuchen viele von ihnen jedoch nicht. Der Weg führt dann über schlecht bezahlte Gelegenheitsjobs oft zu weiteren Problemen, etwa Drogenkonsum, Kleinkriminalität oder Teenager-Schwangerschaften. Dieser Entwicklung soll das Ausbildungsprogramm von SOS-Kinderdorf entgegenwirken.

Erfolgreiche Abschlüsse für Erfolg in der Zukunft

Insgesamt besuchten seit dem Start 2020 575 Jugendliche einen berufsbildenden Kurs in den Bereichen Landwirtschaft, Schneiderei, Informationstechnologie (ICT), Gastronomie und Bauwirtschaft. Davon schlossen 473 ihre Ausbildung erfolgreich ab. 2465 Jugendliche besuchten zudem Workshops zu Sozial- und Selbstkompetenzen. Die Abbruchrate war im Bereich Bauhandwerk besonders hoch, weil viele Jugendliche ein bestimmtes Handwerk lernen wollten, anstelle eines Einblicks in verschiedene Handwerksberufe. Viele Teilnehmende zogen es vor, Arbeit zu suchen oder selbständig Aufträge anzunehmen, anstatt die restlichen Module zu absolvieren. Eine wichtige Erkenntnis für zukünftige Ausbildungsprogramme.

Landwirtschaft: Von der Theorie zur Praxis

Die Teilnehmenden des Landwirtschafts-Lehrgangs konnten je nach Interesse zwischen verschiedenen Schwerpunkten wählen. Die Teilnehmenden mit dem Schwerpunkt «Obstbau und Forstwirtschaft» sowie «Imkerei» wurden dabei unterstützt, in ihrer Gemeinde Bäume zu pflanzen und Bienen zu halten. Dazu mussten sie zum Beispiel Nutzungsverträge mit den Landbesitzern abschliessen oder selbst Zugang zu Land haben. Weiter wurden Lehrgänge mit den Schwerpunkten Gemüsebau, Bewässerung und Viehzucht durchgeführt. Nach der Ausbildung gingen die Lernenden zurück in ihre Gemeinden, um dort mit lokalen Bauernbetrieben gemeinsam ein Projekt umzusetzen. Das Landwirtschaftsministerium sicherte den Jungbauern und Jungbäuerinnen weitere technische Unterstützung zu, etwa in Form von Saatgut.

Schneiderei: Auf die Laufstege Lesothos

Dieser Lehrgang wurde in Zusammenarbeit mit einer Berufsschule für Schneiderei angeboten. In ihrer Ausbildung lernten die Teilnehmenden, Schuluniformen, Hemden, Röcke und traditionelle Anzüge herzustellen. Besonders beliebt waren dabei die Schuluniformen und die traditionellen Anzüge, da erstere konstant nachgefragt werden und sich letztere in Lesotho sehr grosser Beliebtheit erfreuen. Auch hier hatten Jugendliche mit sehr geringer Schulbildung einen Nachteil, da es ihnen zum Beispiel schwerfiel, die Massangaben in einem Schnittmuster richtig umzurechnen. Die Lehrmeisterin kam deshalb auch an den Wochenenden ins Atelier, um daran weiterzuarbeiten.

Schneiderei: Ausbildung in Lesotho

«Traditionelle Anzüge sind bei uns total ‘in’. Die Leute tragen sie insbesondere bei festlichen Gelegenheiten, wie etwa Hochzeiten oder Beerdigungen. Mit dem Nähen dieser Kleider kann man gut verdienen. Dank der Fertigkeiten, die wir erworben haben, werden wir sicher bald zu den besten Schneiderinnen in der Region gehören.»

Gastronomie: Zutaten für beruflichen Erfolg

Dieser Lehrgang wurde gemeinsam mit einer Kochschule entwickelt. Die Jugendlichen lernten, einfache Speisen wie Suppen, Saucen und Kuchen herzustellen, Hygieneregeln zu beachten oder Gemüse, Fisch und Fleisch richtig zuzubereiten. Weiter erfuhren sie, wie man Häppchen und belegte Brötchen zubereitet und Speisen schön anrichtet – das Auge isst ja bekanntlich mit. Auch der Umgang mit Küchenutensilien wurde vermittelt. Das Ziel bestand darin, dass die Jugendlichen Arbeit in einem Restaurant finden oder selbst eine kleine Imbissbude aufbauen können.

«Ich habe schon als Kind gerne gekocht. Als ich älter war, habe ich meine Mutter gebeten, mich in eine Kochschule zu schicken, aber unsere Familie konnte sich die Schulgebühren nicht leisten. Nun bin ich überglücklich, dass ich diese Ausbildung absolvieren kann.», erklärt Rachel, einer der Teilnehmenden.

ICT: Neue digitale Welten erschliessen

Der Umgang mit Computerprogrammen war für die meisten Jugendlichen Neuland. Entsprechend gross war das Interesse. Die Lernenden erhielten einen Einblick in die Textverarbeitung und in die Tabellenkalkulation und lernten, PowerPoint-Präsentationen zu erstellen und sich im Internet zurechtzufinden. Eine Herausforderung war der unterschiedliche Bildungsstand der Teilnehmenden. Während sich für einige Jugendliche neue Welten erschlossen, bereitete die Tabellenkalkulation den Lernenden mit geringen Mathematikkenntnissen grosse Mühe. Einer der Kursteilnehmer berichtet: «Ich habe bis jetzt immer gedacht, E-Mail-Adressen seien nur etwas für Leute mit höherer Bildung und fester Anstellung. Deshalb war ich total begeistert, als ich selber eine E-Mail-Adresse erstellen konnte.»

Bauhandwerk: Ein Fundament für Selbstständigkeit

Die bauhandwerkliche Ausbildung bestand aus den Komponenten Schreinerei, Maurerhandwerk, Elektroinstallation und Schweisserei. Neben diesen praktischen Fächern belegten alle Teilnehmenden Kurse in angewandter Mathematik, in Technischem Zeichnen sowie in Material- und Werkzeugkunde. Viele Lernende kamen bereits mit einer konkreten Idee in den Kurs und wussten, in welche Richtung sie sich beruflich entwickeln wollten. Sie konnten schon während ihrer Ausbildung praktische Erfahrungen sammeln und Geld verdienen.

Ausbildung Bauhandwerk

«Ich wohne mit meinem Bruder zusammen, der als Elektroinstallateur arbeitet. Ich habe gesehen, dass er damit gutes Geld verdient. Nachdem ich dieses Modul nun abgeschlossen habe, kann ich kleinere Aufträge annehmen und etwa Mikrowellen und Backöfen reparieren.»

Die Kursleitenden standen den Jugendlichen mit Rat und Tat zur Seite, sodass sie ihr gelerntes Wissen nach und nach in die Praxis umsetzen und Kundinnen und Kunden gewinnen konnten.

Diane packt ihre Chance

Wegen der Pandemie war es in den vergangenen zwei Jahren besonders schwierig, Praktikumsplätze oder feste Stellen für die Lernenden zu finden. Eine, die es geschafft hat, ist Diane: Sie arbeitet heute in einer Grossküche in Quthing. Diane hatte im Jahr 2018 die Maturaprüfung nicht bestanden und war danach zwei Jahre lang arbeitslos: «Es war sehr deprimierend, zu Hause zu sitzen und nichts für die eigene Zukunft tun zu können. Meine Eltern haben mir Mut gemacht und gesagt, ich solle die Hoffnung nicht verlieren. Schliesslich erfuhr ich durch eine Nachbarin dem Ausbildungsprogramm von SOS-Kinderdorf und bewarb mich umgehend. Als ich die Zusage erhielt, schöpfte ich neue Hoffnung.»

Diane packt ihre Chance

Diane konnte sich dank ihrer Ausbildung beruflich verwirklichen.

Neben dem Gastronomie-Lehrgang besuchte Diane auch den Geschäftsführungs-Kurs, wo sie zu den besten Schülerinnen gehörte. Nach ihrem erfolgreichen Abschluss fand sie ihre heutige Stelle: «Früher erwarteten meine Eltern sehnlichst das Monatsende, weil dann wieder Geld in die Haushaltskasse kam. Nun kann ich selber für meinen Lebensunterhalt aufkommen und zudem für die Familie einkaufen.»

Mit Ihrer Spende können Sie nachhaltige Projekte wie das Ausbildungsprogramm unterstützen. Ihre Hilfe schafft nicht nur neue Chancen für Jugendliche, sondern stärkt auch die gesamte Gemeinde.

Inhaltsverantwortliche:

David Becker

Wenn ich Content in Wort und Bild erarbeite, begeistert mich das grosse Ganze und berühren mich die feinen Details.

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